
Leitlinien zur Behandlung von Gelenkschmerzen
In Deutschland gibt es Leitlinien zur Behandlung von Gelenkschmerzen, die von medizinischen Fachgesellschaften (wie u.a. die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) entwickelt werden, um Ärzten und Patienten evidenzbasierte Empfehlungen für die Diagnostik und Therapie zu geben. Diese Fachgesellschaften arbeiten unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zusammen, um die Qualität und den Konsens der Leitlinien zu gewährleisten. Die meisten Leitlinien finden Sie auf der Website der AWMF.
Die Leitlinien dienen dazu, Ärzten eine Orientierung zu geben, wie eine spezifische Krankheit am besten zu behandeln ist. Zur Veranschaulichung:
- Die Leitlinie für rheumatoide Arthritis zielt auf die Hemmung der Entzündung, weil dort die Diagnose eine Autoimmunreaktion des Körpers beschreibt.
- Die Leitlinie zur Gonarthrose (Kniearthrose) konzentriert sich auf Physiotherapie und Bewegung, da dort die Gonarthrose als eine degenerative Abnutzung des Gelenks (noch) angesehen wird.
- Die Leitlinie zur Gicht-Behandlung befasst sich mit der Senkung des Harnsäurespiegels, weil Gicht einen zu hohen Harnsäurespiegel als Ursache hat.
Generell werden die Therapien nach dem sogenannten „Treat-to-Target“-Prinzip (dt. „Behandeln bis zum Ziel“) durchgeführt, bei dem die Therapie so lange angepasst wird, bis ein definiertes Behandlungsziel (in der Regel eine Remission) erreicht ist.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkschmerzen
Nachfolgend zeigen wir die konservativen Behandlungsmöglichkeiten, die ohne eine Operation auskommen. Sie stehen in der Regel an erster Stelle, da sie weniger risikoreich ist und oft eine deutliche Linderung der Beschwerden bewirken kann. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Gelenkfunktion zu verbessern und eine Operation hinauszuzögern. Zu diesen Behandlungsmöglichkeiten gehören insbesondere:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht, da jedes Kilogramm das Gelenk zusätzlich belastet und Übergewicht allein die Entzündungen im Körper (Hauptursache für sogenannte stille Entzündungen) erhöht.
- Anpassung der Ernährung, um Entzündungen im Körper zu reduzieren.
- Nahrungsergänzung mit spezifischen Mikronährstoffe, weil diese eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Knorpelgesundheit, der Reduzierung von Entzündungen und der Unterstützung des Gelenkstoffwechsels spielen.
- Bewegung: Über die Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit hinaus, trägt die Bewegung der von Gelenkschmerzen betroffenen Gelenke zu einer Verbesserung sowohl der Schmerzsymptome als auch der Knorpelgesundheit bei.
- Hilfsmittel und Alltagshilfen: Einsatz von Bandagen, Orthesen, Einlagen oder Gehhilfen, um das Gelenk zu stabilisieren, zu entlasten und bewegen zu können.
- Physikalische Therapie: Anwendungen von Kälte und Wärme, Massagen, Elektrotherapie (z. B. TENS).
- Medikamentöse Therapie: Einnahme von Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen. Auch Injektionen mit Hyaluronsäure oder Kortison direkt ins Gelenk können zum Einsatz kommen.
Bitte beachten Sie, dass Gelenkschmerzen ernstzunehmende Signale des Körpers sind. Um die Ursache zu klären und sich für die richtige Behandlungsoption zu entscheiden, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt konsultieren. Ein Arzt erstellt einen individuellen Therapieplan, der nicht nur Medikamente, sondern auch gezielte Physiotherapie, Bewegungsempfehlungen, Ernährungsberatung und den sinnvollen Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln umfasst. Ein solcher ganzheitlicher Ansatz kann die Gelenkfunktion nachhaltig verbessern und die Beschwerden langfristig lindern.
Unterschiede und Überschneidungen der Behandlunsgoptionen
Bei Gelenke bieten wir Ihnen durch unsere innovative Grafik eine anschauliche Visualisierung der unterschiedlichen Behandlungsmethoden an. Diese Grafiken sind nicht nur informativ, sondern erleichtern es Ihnen, die komplexen Konzepte hinter jeder Methode zu verstehen. Die Relevanz der verschiedenen Ansätze zur Behandlung von Gelenkschmerzen wird klar und verständlich dargestellt.

Arthritis
Lebensstiländerungen wie Gewichtsabnahme bei Übergewicht, mehr Bewegung und eine entzündungshemmende Ernährung sind für die Behandlung von Arthritis (wie bei Arthrose) entscheidende Maßnahmen.
- Gewichtsabnahme: Verringert systemische Entzündungen im Körper, die durch überschüssiges Fettgewebe ausgelöst werden. Eine Gewichtsreduktion kann die Krankheitsaktivität senken und die Symptome lindern.
- Entzündungshemmende Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Obst, Gemüse und gesunden Ölen ist, bekämpft direkt die chronische Entzündung im Körper. Diese Entzündung, die bei Arthritis die Ursache des Knorpelabbaus ist, verschlimmert die Symptome und den Krankheitsverlauf.
- Mehr Bewegung: Hält die Gelenke beweglich, beugt Versteifungen vor und stärkt die umliegende Muskulatur, was die Gelenke schützt. Bewegung kann zudem die Entzündungsaktivität senken.
Der Fokus bei der Nahrunsgergänzung liegt darauf, die Entzündungsreaktion des Körpers zu dämpfen und das Immunsystem zu modulieren.
- Omega-3-Fettsäuren: Sie sind hier von zentraler Bedeutung. Durch ihre stark entzündungshemmenden Eigenschaften können sie die Aktivität der entzündlichen Erkrankung senken und die Symptome wie Schmerzen und Morgensteifigkeit lindern.
- Vitamin D: Ein Vitamin-D-Mangel wird mit einem erhöhten Risiko für entzündliche Gelenkerkrankungen in Verbindung gebracht. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Immunsystems und der Reduzierung von Entzündungen.
- Vitamin E: Als starkes Antioxidans schützt Vitamin E die Zellen vor Schäden durch freie Radikale, die bei Entzündungsprozessen vermehrt entstehen.
Bei der Physikalischen Therapie steht die Bekämpfung der Entzündung im Vordergrund. Die Behandlung ist oft akuter und richtet sich nach dem aktuellen Entzündungszustand des Gelenks.
- Kälteanwendungen: Kältetherapie (z. B. Kühlpacks oder kalte Umschläge) ist hier die erste Wahl. Sie hemmt die Entzündung, reduziert Schwellungen und wirkt schmerzlindernd. Bei einer akuten Arthritis wird von Wärmeanwendungen abgeraten, da diese die Entzündung verstärken können. Wärme kann erst in entzündungsfreien Phasen zur Lockerung von Muskeln eingesetzt werden.
- Schonung und passive Bewegung: In akuten Entzündungsphasen ist es wichtig, das Gelenk zu schonen. Die Bewegung erfolgt dann meist passiv, zum Beispiel durch einen Therapeuten, um eine Versteifung zu verhindern, ohne das Gelenk zu überlasten.
- Gelenkschutz: Patienten erlernen spezielle Techniken, zum Beispiel mit Hilfsmitteln, um im Alltag ihre Gelenke zu schützen und Fehlstellungen vorzubeugen.
Die TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine symptomatische Therapie, die bei Arthritis darauf abzielt, Schmerzen zu lindern, nicht jedoch die zugrundeliegende Ursache der Krankheit zu heilen. Bei Arthritis müssen jedoch die Entzündungsphasen beachtet werden. In Phasen starker Schwellung, Rötung und Überwärmung sollte TENS nicht direkt auf das entzündete Gelenk angewendet werden. Stattdessen werden die Elektroden im umliegenden, nicht-entzündeten Bereich platziert, um Schmerzen zu lindern, ohne die Entzündung zu reizen. In chronischen Phasen, in Phasen ohne akute Entzündung, kann TENS dabei helfen, anhaltende Schmerzen zu behandeln und Muskelverspannungen zu lockern.
Bei der Medikamentöse Therapie steht die Kontrolle der Autoimmunreaktion im Vordergrund, um die Entzündung zu stoppen und irreversible Gelenkschäden zu verhindern.
- Basistherapeutika (DMARDs): Dies ist der wichtigste Baustein der Therapie. Diese Medikamente beeinflussen das Immunsystem und greifen langfristig in den Krankheitsverlauf ein. Sie sollen die Entzündungsaktivität und die Gelenkzerstörung stoppen. Ein häufig verwendetes Medikament ist Methotrexat (MTX).
- Biologika: Eine Untergruppe der DMARDs. Dies sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die sehr gezielt bestimmte Entzündungsbotenstoffe (z. B. TNF-alpha) blockieren. Sie werden eingesetzt, wenn konventionelle DMARDs nicht ausreichend wirken.
- Kortikosteroide (Kortison): Wird oft zu Beginn der Therapie eingesetzt, um die Entzündung schnell zu kontrollieren, bis die langfristig wirkenden DMARDs ihre volle Wirkung entfalten. Auch bei Krankheitsschüben werden sie kurzzeitig verwendet.
- NSAR: NSAR werden -wie bei Arthrose- zur symptomatischen Schmerz- und Entzündungslinderung eingesetzt, sind aber keine langfristige Lösung für die Kontrolle der Krankheit.

Arthrose
Lebensstiländerungen wie Gewichtsabnahme bei Übergewicht, mehr Bewegung und eine entzündungshemmende Ernährung sind für die Behandlung von Arthrose (wie bei Arthritis) entscheidende Maßnahmen.
- Gewichtsabnahme: Reduziert die mechanische Belastung auf die Gelenke. Jedes verlorene Kilogramm kann die Belastung auf Knie und Hüfte um ein Vielfaches verringern und so den Knorpelverschleiß verlangsamen.
- Entzündungshemmende Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Obst, Gemüse und gesunden Ölen ist, bekämpft direkt die chronische Entzündung im Körper. Diese Entzündung, die bei Arthrose eine Folge des Knorpelabbaus ist, verschlimmert die Symptome und den Krankheitsverlauf.
- Mehr Bewegung: Verbessert die Ernährung des Knorpels durch die Anregung der Gelenkflüssigkeit und stärkt die Muskulatur, die das Gelenk stabilisiert. Dies verlangsamt den Verschleiß.
Die Mikronährstoffe bei Arthrose zielen darauf ab, den Gelenkknorpel zu unterstützen, dessen Abbau zu verlangsamen und Entzündungen zu hemmen.
- Omega-3-Fettsäuren: Sie wirken stark entzündungshemmend und können dazu beitragen, Schmerzen und Schwellungen im Gelenk zu reduzieren, insbesondere bei einer aktivierten Arthrose mit entzündlichen Schüben.
- Glucosamin und Chondroitin: Diese sind natürliche Bestandteile des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit. Als Nahrungsergänzungsmittel sollen sie den Knorpelstoffwechsel anregen und so zur Elastizität und Widerstandsfähigkeit des Knorpels beitragen.
- Vitamin C: Dieses Vitamin ist essenziell für die Kollagenproduktion. Da Kollagen ein Hauptbestandteil des Knorpels ist, ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C wichtig für dessen Aufbau und Struktur.
Bei der Physikalischen Therapie zielt die Therapie darauf ab, die Gelenkfunktion zu erhalten, Schmerzen zu reduzieren und den "Gelenkverschleiß" zu verlangsamen. Die Maßnahmen sind meist langfristig angelegt.
- Wärmeanwendungen: In der Regel werden Wärmebehandlungen wie Moor- oder Fango-Packungen, heiße Umschläge oder Rotlicht eingesetzt, um die Durchblutung zu fördern, Muskelverspannungen zu lösen und die Schmerzen zu lindern.
- Bewegungstherapie: Dies ist der zentrale Baustein der physikalischen Therapie. Es geht darum, das Gelenk in Bewegung zu halten und die umliegende Muskulatur zu stärken, um es zu stabilisieren. Typische Übungen sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren. Massagen der Muskulatur rund um das Gelenk helfen, Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Reizstrom-/Ultraschalltherapie: Verfahren wie Reizstrom oder Ultraschall können zur Schmerzlinderung und zur Förderung des Stoffwechsels im Gelenk eingesetzt werden.
Die TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine symptomatische Therapie, die bei Arthrose darauf abzielt, Schmerzen zu lindern, nicht jedoch die zugrundeliegende Ursache der Krankheit zu heilen.
- Wirkung: TENS hilft, Schmerzsignale zu blockieren und die Ausschüttung körpereigener Endorphine anzuregen.
- Anwendung: Die Anwendung zielt darauf ab, die Schmerzen zu reduzieren, Muskelverspannungen zu lösen und die Durchblutung im betroffenen Gelenk zu verbessern.
- Ziel: Die Schmerzlinderung ermöglicht es den Betroffenen, sich besser zu bewegen und so die Gelenkfunktion länger zu erhalten. Häufig wird TENS hier als medikamentenfreie Alternative oder zur Reduzierung des Schmerzmittelbedarfs eingesetzt.
Bei der Medikamentösen Therapie ist das primäre Ziel die Linderung von Schmerzen und die Reduktion von Entzündungen bei akuten Schüben, um die Beweglichkeit zu erhalten. Es gibt keine Medikamente, die den zerstörten Knorpel wieder aufbauen können.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen werden als Tabletten, Salben oder Gele eingesetzt. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend, sind aber meist nur für eine begrenzte Zeit oder in Phasen akuter Beschwerden gedacht.
- Analgetika: Reine Schmerzmittel wie Paracetamol oder in schweren Fällen Opioide werden zur Schmerzkontrolle verwendet. Allerdings gilt Paracetamol laut aktuellen Studien als wenig wirksam bei Arthroseschmerzen.
- Intraartikuläre Injektionen: Der Arzt spritzt Medikamente direkt ins Gelenk.
- Hyaluronsäure: Wirkt als „Schmiermittel“ und kann die Gelenkfunktion verbessern.
- Kortison: Wirkt stark entzündungshemmend und wird bei aktivierter, schmerzhafter Arthrose eingesetzt, um die Entzündung schnell zu dämpfen.

Gicht
Bei Gicht ist der entscheidende Faktor die Harnsäure im Körper. Eine angepasste Ernährung ist daher die wichtigste Maßnahme, um die Harnsäurewerte zu senken und Gichtanfälle zu verhindern.
- Purinarme Kost: Die Ernährung sollte vor allem purinarm sein. Purine sind Stoffe, die der Körper zu Harnsäure abbaut. Purinreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch, Innereien, bestimmte Fische und Meeresfrüchte sowie Alkohol (insbesondere Bier) sollten daher gemieden oder stark reduziert werden.
- Gemüse und Milchprodukte: Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Hülsenfrüchte gelten trotz ihres Puringehalts als unproblematisch. Auch fettarme Milchprodukte können die Harnsäureausscheidung fördern.
- Ausreichend Trinken: Eine hohe Flüssigkeitszufuhr, vor allem Wasser und ungesüßte Tees, hilft, die Harnsäure über die Nieren auszuscheiden.
Auch Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung spielen bei Gicht eine große Rolle:
- Gewichtsreduktion: Übergewicht ist ein Hauptrisikofaktor für Gicht. Eine Gewichtsabnahme kann die Harnsäurewerte im Blut senken und das Risiko für Anfälle verringern. Wichtig ist jedoch, dass die Gewichtsabnahme langsam erfolgt, da Crash-Diäten einen plötzlichen Anstieg der Harnsäure verursachen und einen Gichtanfall auslösen können.
- Bewegung: Regelmäßige, moderate Bewegung unterstützt die Gewichtsreduktion und verbessert die allgemeine Stoffwechsellage. Sie sollten jedoch während eines akuten Gichtanfalls auf Sport verzichten, da dies das entzündete Gelenk zusätzlich reizen kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei Gicht die gleichen Lebensstilprinzipien gelten wie bei Arthrose und Arthritis, aber mit einer sehr spezifischen diätetischen Komponente, die auf die Kontrolle des Harnsäurestoffwechsels abzielt.
